Geschichte

Das Klostergut Paradies in Schlatt (TG), an den idyllischen Ufern des Rheins gelegen, symbolisiert mit seiner wechselvollen Geschichte den Wandel der Zeit.

Einst als Kloster gegründet, diente die Anlage Anfang des 20. Jahrhunderts rein landwirtschaftlichen Zwecken. Diese Tatsache bewog das Schaffhauser Industrieunternehmen Georg Fischer (GF), im Jahre 1918 infolge der Wirren des Ersten Weltkriegs den gesamten Betrieb zu erwerben. Fortan sorgten Ackerbau und Viehwirtschaft dafür, die Versorgung der GF Mitarbeitenden zu verbessern, eine auch im damaligen Kontext aussergewöhnliche Massnahme. 

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums von GF wurde die Anlage restauriert und 1948 die Eisenbibliothek als Stiftung der Georg Fischer AG gegründet. Sie befindet sich im Westflügel des Klostergebäudes und ist für die Öffentlichkeit zugänglich.

2018

JubiläumsveranstaltungJubiläumsveranstaltung, 2018

Jubiläum 100 Jahre GF im Klostergut Paradies.

2013-2014

Renovierung im Klostergut ParadiesRenovierung im Klostergut Paradies, 2013

Auf einer Fläche von 2300 m2 wird das Dach des Ost-, des Nord- und des Mittelflügels im Klostergut Paradies für rund 1,5 Millionen Franken renoviert. Bund, Kanton und Gemeinde steuern rund einen Viertel zu den Renovationskosten bei.

2004

Der Thurgauer Heimatschutz verleiht den mit 5000 Franken dotierten Thurgauer Heimatschutzpreis an GF mit ihren Stiftungen Paradies und Eisenbibliothek. Damit werden die grossen Verdienste um die Renovation und Erhaltung der Bausubstanz und die kulturelle Nutzung des ehemaligen Klarissenklosters Paradies gewürdigt. Es ist das erste Mal, dass diese Auszeichnung einem Industrieunternehmen verliehen wird.

2003

Buch "Ein Blick ins Paradies"Buch "Ein Blick ins Paradies", 2003

Am 27. und 28. September feiern die katholische Kirchgemeinde Paradies und GF gemeinsam das 750-Jahr-Jubiläum des Klosters Paradies, unter anderem mit einem Festakt und der Vernissage des Buches «Ein Blick ins Paradies» (Denkmalpflege im Thurgau, Band 4).

2001-2002

Die zwischen 1726 und 1728 fast vollständig im Stile des Barocks umgestaltete Klosterkirche St. Michael im Paradies wird für mehr als 2,5 Millionen Franken umfassend renoviert. Finanziert wird das Projekt grösstenteils durch den Renovationsfonds der Kirchgemeinde, der Politischen Gemeinde Schlatt, der Denkmalpflege des Kantons Thurgau und des Bundes sowie der katholischen Landeskirche des Kantons Thurgau. Weitere Gelder werden unter Federführung des «Vereins der Freunde der Klosterkirche Paradies» durch Beiträge von Stiftungen und Gönnern sichergestellt. Am 29. September 2002 wird die Klosterkirche im Rahmen eines zweitägigen Festes eingeweiht, zu dem die ganze Bevölkerung eingeladen ist. Die Klosterkirche ist heute ein Kulturgut von nationaler Bedeutung.

1998

Sitzungszimmer Klostergut ParadiesSitzungszimmer Klostergut Paradies, 1952 (M. Wolgensinger)

Die Alterswohnungen im Ostflügel werden aufgehoben. An ihrer Stelle werden vier weitere Sitzungszimmer eingerichtet.

7. Juli 1981

Bundesrat auf seiner Schulreise im Klostergut ParadiesDer Bundesrat auf seiner Schulreise im Klostergut Paradies, 1981 (H. Hasler)

Am 7. Juli 1981 besucht die schweizerische Landesregierung das Klostergut Paradies. Die Magistraten reisen von St. Gallen in den Erholungsraum Bodensee mit der angrenzenden Rheinlandschaft. Das Klostergut Paradies ist die letzte Station vor ihrer Rückreise nach Bern.
«Nach einer Stromfahrt von Stein am Rhein nach Schaffhausen besuchten die sieben Landesväter samt altem und neuem Bundeskanzler die Eisenbibliothek der Georg Fischer Aktiengesellschaft und nahmen (…) im Klostergarten einen kleinen Imbiss», resümieren die «Schaffhauser Nachrichten» am 8. Juli. «Später als geplant bestiegen die gutgelaunten Herren die Helikopter, um via Rheinfall nach Bern zu fliegen», berichtet «GF intern».

1977

Teilnehmer einer TagungTeilnehmer einer Tagung besuchen GF Leistungsschau, 1977 (H. Erismann)

Aus Anlass des 175-Jahr-Jubiläums des Unternehmens veranstaltet GF im Ausbildungszentrum Paradies eine umfassende Leistungsschau, die innerhalb dreier Monate rund 45 000 Besucherinnen und Besucher anzieht. Ausgestellt werden auf einem 400 Meter langen Ausstellungsparcours insgesamt 5000 GF Produkte mit einem Gesamtwert von 20 Millionen Franken. Zu den Highlights zählen eine Textilmaschine im Kreuzgang, ein 175 Tonnen schweres Dampfturbinengehäuse an der Klosterpforte, aber auch ein Peltonrad mit fünf Metern Durchmesser.

1975

Klostergut ParadiesKlostergut Paradies, 1958 (M. Graf)

GF gründet die Stiftung Paradies. Der Stiftungszweck wird wie folgt umschrieben: «Die Stiftung besitzt, verwaltet und unterhält das Klostergut Paradies. Das Kloster und seine unmittelbare Umgebung soll in seinem historischen Bestand als Thurgauer Kulturdenkmal erhalten bleiben und zu Zwecken verwendet werden, die seiner Vergangenheit angemessen und würdig sind.»

3. Juli 1974

Tag der offenen Tür im AusbildungszentrumTag der offenen Tür im Ausbildungszentrum des Klosterguts, 1974 (H. Hasler)

GF eröffnet das neugeschaffene Ausbildungszentrum. Es ist – für damalige Verhältnisse – mit modernsten Unterrichtshilfsmitteln ausgestattet und «hält jedem Vergleich mit ähnlichen Anlagen im In- und Ausland stand» (GF Zeitung). In die baulichen Erneuerungen investiert GF in den Jahren 1973 und 1974 rund drei Millionen Franken; die Aufwendungen für die Einrichtung des Ausbildungszentrums schlagen mit rund 2,6 Millionen Franken zu Buche.

1974

Klostergut ParadiesKlostergut Paradies, 1946 (F. Baumann)

Im Jahr 1974 arrondiert GF den Klosterbezirk mit dem Kauf der Ländereien am Rhein einschliesslich des Restaurants Kreuz (dieses heisst heute Paradies). Die gesamte Landfläche von bisher 50 wächst auf neu rund 77 Hektaren.

Das Restaurant wird umgebaut, und am Rhein werden Freizeit- und Sportanlagen errichtet, die laut der damaligen Mitarbeiterpublikation «GF intern» zum Teil in der Freizeit durch Fronarbeit erstellt wurden.

1952

EisenbibliothekEisenbibliothek im Klostergut Paradies, 1952 (M. Wolgensinger)

GF feiert sein 150-Jahr-Firmenjubiläum. Dieses fällt zeitlich mit dem 50-Jahr-Dienstjubiläum von Ernst Homberger zusammen, dem langjährigen Generaldirektor, Delegierten und Präsidenten des Verwaltungsrats von GF.

Die Eisenbibliothek im ehemaligen Gästetrakt des Klosters wird am 3. Mai 1952 feierlich eröffnet. Bis heute steht sie allen Interessierten, Wissenschaftlern wie Amateuren, zur Benutzung und Forschung offen.

1950-1952

Umbau KlostergutUmbau Klostergut, 1950

Mit einem Gesamtaufwand von rund drei Millionen Franken wird die gesamte Klosteranlage im Hinblick auf das anstehende 150-Jahr-Jubiläum umfassend renoviert.

Der ehemalige Gästetrakt des Klosterguts Paradies wird restauriert und zur Eisenbibliothek umgebaut. Der Klostergarten wird mit Baumsorten aus dem In- und Ausland angereichert: Insgesamt sind 32 Laubbaum- und 8 Nadelholzarten vertreten.

1948

Klostergut ParadiesGesamtansicht Klostergut in einer Flugaufnahme, 1949

Am 31. Dezember 1948 gründet der GF-Verwaltungs-rat im ehemaligen Kloster die Stiftung Eisen-bibliothek. Bis zur Eröffnung der Bibliothek 1952 wird ein Grundstock von 10'000 Titeln aufgebaut. Diese umfassen die Geschichte der Metalle, der Naturwissenschaften und der Technik allgemein.

1947

EisenbibliothekEisenbibliothek, 1953 (F. Baumann)

Im Hinblick auf das 150-Jahr-Jubiläum von GF 1952 regt Direktor Ernst Müller an, «eine Bibliothek der alten Literatur über die Verarbeitung des Eisens zu errichten, umfassend alle Formen der Verarbeitung». Der Grundgedanke: GF ist 150 Jahre lang mit der Eisenbearbeitung gewachsen und gross geworden. Im Jubiläumsjahr will man sich und der Öffentlich-keit einen Ort schenken, der dieses Wissen bewahrt und pflegt.

1946

Gruppe von GF MitarbeiterinnenErster Besuch einer Gruppe von GF Mitarbeiterinnen im Klostergut Paradies, 1946

Die erste offizielle Besuchergruppe im Klostergut Paradies: Mitarbeiterinnen von GF, die das Klostergut als Ausflugsziel wählen.

1918

Bauernhaus und Wirtschaftstrakt Bauernhaus und Wirtschaftstrakt des Klosterguts Paradies, 1922

Für 300'000 Franken kauft GF am 19. Oktober 1918 das Klostergut mit 50 Hektaren Landwirtschaftsfläche. Die Klosterkirche und das Pfarrhaus bleiben im Besitz der katholischen Pfarrgemeinde von Schlatt.

Im Landwirtschaftsbetrieb werden unter anderem Getreide und Zuckerrüben angebaut sowie Viehzucht betrieben. 1919/1920 entstehen in der Klosteranlage insgesamt 13 Arbeiterwohnungen mit zwei bis fünf Zimmern.

Albert Gemperle-Beckh, damaliger Verwaltungsratspräsident von GF, erläutert die Überlegungen zum Kauf: Primäre Motivation sei die «Fürsorge für das Personal». Mit der Aufnahme der industriellen Landwirtschaft wolle GF «die Lebensmittelversorgung unserer Arbeiterschaft» verbessern.

1253-1836

Wirtschaftshof Wirtschaftshof des Klosterguts Paradies, 1931

Die Schenkung von Land im Jahr 1253 durch Graf Hartmann den Älteren von Kyburg macht die Gründung des Klosters möglich. Aus dem Kloster Paradies bei Konstanz siedeln Nonnen des Klarissenordens um. 1529 hebt die Stadt Schaffhausen das Kloster während der Reformation auf. 1578 wird es durch Nonnen aus Villingen wiederbelebt. 1587 zerstört ein Brand fast die ganze Klosteranlage. Der Neubau des Klosters wird 1602 vollendet. 1836 hebt der thurgauische Grosse Rat das Kloster auf.